Sonntag, 23.04.2017, 11 Uhr
Filmzentrum im Rechbauerkino

Zwischen 7. und 12. Dezember 2015 waren Jenny Chapman und Andreas Polegeg aus Graz mit Andis großem, altem Wohnmobil, dem Camper, in Triest, um den in den zentralen Silos gestrandeten Schutzsuchenden (geschätzt: 150 bis 200 Männer) zu helfen – mit warmer Kleidung, mit festem Schuhwerk, mit Nahrung, mit Zuwendung und mit dem Wunsch, diesen damals nahezu unbekannten Ort und die „Wohnverhältnisse“ dort zu dokumentieren. Kennen gelernt hatte ich Andreas und Jenny bereits im September 2015, als beide, zunächst noch unabhängig voneinander, im Protestcamp am Grazer Paulustor geholfen haben. Er mit Wohnmobil und Organisationstalent. Sie mit rollendem Essen und Zuwendung. Vier Wochen lang, immer wieder. Zwischen Andi und Jenny funkte es. Sie wurden ein Paar. Wenig später kam der Plan auf, zusammen nach Triest zu fahren. Zu dritt. Dass nicht ich die beiden fragte, ob ich mitfahren dürfe, sondern sie mich dazu aufforderten, sie mit Kamera und Mikro zu begleiten, zeugt von dem mir entgegengebrachten Vertrauen; und die persönliche Nähe – Tag und Nacht zusammen im Camper – trug das ihre zur Schaffung einer Atmosphäre bei, in der unverstellte dokumentarische Dreharbeiten möglich wurden. Von spät nachts bis in den Vormittag hinein stand der Camper am Parkplatz des Yachthafens von Triest. Gratis. Ist zwar verboten, aber beschwert hat sich nur einmal jemand. – Welch ein Gegensatz: Tagsüber in den riesig langen, seitlich teilweise offenen, zugigen Hallen der Silos, in denen die Flüchtlinge sich notdürftigste Verschläge aus Pappendeckel, Decken und Absperrgittern gebaut hatten – ohne Licht, ohne Wasser, ohne Heizung. Und nachts und am Morgen neben den schaukelnden Segelyachten, vis-à-vis vom Fischkutter, unter kreischenden Möwen, zwischen Spaziergängern, Hunden und Jenny, die völlig konzentriert ihre täglichen Yogaübungen absolvierte.
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A 2016 | Video HD | Farbe | 47 Minuten
Kamera, Regie, Produktion: Heinz Trenczak Schnitt,
Farbkorrektur, Mix: Christoph Schmid
Eine Produktion der Vis-à-vis Film © 2016

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